Mittwoch, 1. Oktober 2014

Schreibkick # 9: Mein kleiner Teddybär Lu

Hier ist die erste Hälfte meines Schreibkicks. Ich bin leider nicht ganz fertig geworden, da der Text dieses Mal etwas länger wird. Korrekturgelesen ist auch noch nichts, also bitte verzeiht Buchstabendreher und Sinnlossätze... :-) Teil 2 kommt dann hoffentlich am Do oder Fr.

Lu

Theo erwachte schweißgebadet und mit hämmerndem Herzen. Er hatte schlecht geträumt. Noch jetzt sah er die Bilder von heranrasenden U-bahnlichtern, übergroßen Ratten und dunklen Tunneln vor seinem inneren Auge. Sein kleines Händchen tastete nach dem Teddy, der immer neben ihm schlief. Doch da war nichts außer dem blanken Bettbezug. Eine Träne rann ihm über die Wange. Dann war das alles also wirklich passiert. Er hatte Lu gestern nach dem Ausflug in den Zoo irgendwo auf dem Weg nach Hause verloren. Wahrscheinlich in der U-Bahn. Und wenn das stimmte, vielleicht waren dann auch seine Träum wahr und Lu kämpfte nun in irgendeinem stockdunklen, menschenverlassenen Tunnel gegen böse Ratten um sein Leben. Oder er war schon längst von einem Jugendlichen angezündet und in den Müll geschmissen, oder von einer Bahn überrollt worden.
Der Tag gestern hatte so schön angefangen. Theo, Lu und Theos Eltern waren im Zoo und hatten jede Menge Tiere gesehen. Lu wusste von den meisten Tieren, wie sie genannt wurden. In dem Spielwarenladen aus welchem er kam, hatte er zwischen jeder Menge Pinguine, Löwen, Eulen, Pferden und Elefanten auf seine Familie gewartet. Es war spannend für ihn zu sehen, wie die Tiere, denen sie nachempfunden waren in Wirklichkeit aussahen. Der Tag war sonnig, Theo hatte zum Mittagessen Pommes mit Ketchup bekommen und am Nachmittag noch ein Eis. Sogar von der Cola seines Papas durfte er mal probieren. Lu war zufrieden, dass sein kleiner Schützling so einen tollen Tag hatte.

Doch dann in der U-Bahn war es geschehen. Lu saß in der kleinen Außentasche von Theos Rucksack. Er mochte den Platz, da er von hier einen guten Blick über die Umgebung hatte. Theo und seine Eltern setzten ihn immer so hinein, dass er noch heraus schauen konnte und dabei vom Reißverschluss festgehalten wurde. Doch er merkte schon an der zweiten Station, dass der Reißverschluss dieses Mal nicht so fest saß wie sonst und sie hatten noch einige Stationen vor sich. Theo war noch ganz aufgedreht von dem Tag im Zoo und sprang in der fast leeren U-bahn zwischen den Sitzen und Stangen hin und her. Mal trötete und stampfte er wie ein Elefant, dann schlich er wieder wie ein Tiger auf Samtpfoten. Der Reißverschluss löste sich immer mehr. Dann, bei der fünften Station, an der sie aussteigen mussten, geschah es. Theo war noch ganz in sein Spiel vertieft, als seine Mutter ihn an der Hand nahm und in Richtung Ausgang zog. Theo rannte nebenher und streifte dabei mit seinem Rucksack eine der Haltestangen. Lu bekam einen heftigen Stoß gegen seine rechte Seite, merkte wie der Reißverschluss sich auf der einen Seite nun endgültig löste und er den Halt verlor. Dann fiel er. Der Aufprall war hart, er überschlug sich noch einige Male und blieb dann benommen liegen. Glücklicherweise haben Teddys keine Knochen, so dass er sich bei einem Sturz wie diesem nicht wirklich verletzen konnte. Vorsichtig, damit niemand etwas bemerkte, blickte er sich um. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich direkt neben ihm die Schiebetüre zur Bahn schloss. Er war also auf dem Bahnsteig gelandet. Ohne sich zu bewegen versuchte er, die Umgebung genauer zu betrachten. Am Ende des Bahnsteiges sah er Theo und seine Eltern, wie sie auf der Rolltreppe die U-Bahnstation verließen.

Lu spürte einen Kloß im Hals. Könnten Teddys weinen, dann würden ihm nun wahrscheinlich Tränen in die Augen steigen. Stattdessen merkte er, wie sich sein Fell vor Angst aufstellte.  Das hätte ihm niemals passieren dürfen. Was sollte Theo nun ohne ihn machen? Er war doch immerhin der erste Teddy in seinem Kinderzimmer. Und gerade als erster Teddy hätte er besonders aufpassen müssen, dass er nicht verloren geht. Hätte er doch versuchen sollen, sich festzuhalten? Hätte er irgendein Geräusch von sich geben sollen, um auf sich aufmerksam zu machen? Sich in der Gegenward von Menschen zu bewegen war eigentlich strengstens verboten. Aber in einem solchen Ausnahmefall, hätte er doch eine Ausnahme machen können! Der erste Teddy war das ranghöchste Kuscheltier in einem Kinderzimmer. Dabei musste er nicht das Kuscheltier sein, das als erstes für das Kind gekauft wurde. Es musste auch nicht als erstes im Kinderzimmer sein. Der erste Teddy war das Kuscheltier, das dem Säugling als erstes von einer sehr nahestehenden Person überreicht wurde. Das geschah meistens bereits kurz nach der Geburt im Krankenhaus. Dabei musste es sich nicht einmal um einen Teddy handeln. Es konnte genauso gut ein Hase, eine Ente oder ein Kamel sein. Nur zur Gattung der Kuscheltiere musste es gehören. Die Bindung zwischen Teddy und Kind hielt dann oftmals ein Leben lang. Lu wurde Theo bereits eine Stunde nach der Geburt von seinem Vater gegeben und Theo hatte mit seinen kleinen Fingern sofort eines der Plüschärmchen umklammert.  Er war ein brauner Teddy mit schwarzen, glänzenden Augen. Seine Ohren, sowie die Innenflächen seiner Pfoten waren etwas dunkler als der Rest. Die Schnauze war mit einem ebenso dunkelbraunen Faden aufgenäht.

Als sich der Bahnsteig  geleert hatte, hob Lu vorsichtig seinen Kopf und blickte sich um. Zwei Kameras waren hier installiert. Eine hing fast direkt über ihm, zeigte aber den Bahnsteig entlang, so dass er von ihr nicht mehr erfasst wurde. Eine zweite hing weit weg am anderen Ende des Bahnsteiges. Vermutlich war er auf dem Bild dieser Kamera nicht mehr zu erkennen. Langsam ließ er den Kopf wieder sinken. Was sollte er nun tun? Abwarten, ob jemand ihn fand und irgendwo hin brachte? Nein, die Gefahr, von irgendeiner Reinigungskraft gefunden und in den Müll geschmissen zu werden war zu hoch. Solche Geschichten hatte er schon zu viele gehört. Die große Anzeigetafel, die in der Mitte des Bahnsteiges hing, zeigte an, dass die nächste Bahn erst in etwa einer Stunde ankam. Vorerst war also nicht mit Menschen zu rechnen. Vorsichtig setzte er sich auf. Es war absolut still, bis auf das Geräusch des Windes, der sich in den unterirdischen Tunneln verirrte. Ab und zu wurden die Klänge eines Saxophons in den U-bahnschacht geweht. Irgendwo weiter oben musste ein Straßenkünstler sein Glück versuchen. Lu stand auf und ging in Richtung Gleisbett. Zur Rolltreppe konnte er nicht. Zumindest nicht über den Bahnsteig, dort würden die Kameras ihn erfassen. Er musste also einen anderen Weg finden. An der Kante blieb er stehen und blickte in den Abgrund. Die Gleise lagen ungefähr einen Meter unter ihm. Einen Sprung aus dieser Höhe hätte er vermutlich problemlos überstanden, aber es bestand die Gefahr, mit der Stromschiene in Kontakt zu geraten und was das für ihn als Teddy für Folgen haben könnte, konnte er nicht abschätzen. Plötzlich hörte er hinter sich ein Rascheln. Er drehte sich um, sah aber nichts außer dem verlassenen Bahnsteig. Vermutlich kam das Geräusch von einer der Papiertüten, die sich an den Beinen der Sitzbänke verfangen hatte. Doch, da war es wieder. Ein leises, kratzendes, scharrendes Geräusch. Erneut ließ er seinen Blick über den Bahnsteig schweifen, konnte jedoch nichts erkennen. Ein paar Plastiktüten flatterten im Wind und eine leere Coladose rollte immer wieder wenige Zentimeter hin und her. Dann sah er plötzlich aus dem Augenwinkel einen Schatten, der rasend schnell auf ihn zu kam. Lu hatte keine Zeit um zu reagieren. Gerade als er sich umdrehen wollte, wurde er von dem dunklen Etwas mit voller Wucht gerammt. Spitze Zähne gruben sich in seine Schulter. Er verlor den Boden unter den Füßen und zum zweiten Mal an diesem Tag fiel er. 

Der Aufprall auf dem steinigen Gleisbett war härter als erwartet. Das Gewicht der fetten Ratte, die sich auf ihn gestürzt hatte, drückte ihn mit unglaublicher Wucht auf den Boden. Er lag auf dem Boden und die Ratte hatte ihn immer noch mit ihren Zähnen an der Schulter gepackt und ihre linke Vorderpfote hatte sich um seinen rechten Arm gekrallt. Mit der Linken Pfote tastete er seine Umgebung ab und fand schließlich einen Stein, der klein genug war, dass er ihn mit seiner Plüschpfote umfassen konnte. So gut er konnte, holte er aus und ließ den Stein direkt auf den Schädel der Ratte niedersausen. Sofort spürte er, wie sich der Biss an seiner Schulter lockerte. Die Ratte blickte benommen auf. Lu erkannte seine Chance und stieß sie von sich. Sie taumelte einige Schritte zur Seite und Lu sprang auf die Füße. Etwas schwankend kam er zum stehen. Die Wunde in seiner Schulter schmerzte. Aber sein Arm war noch dran und er konnte ihn bewegen. Doch er hatte keine Zeit um durchzuatmen. Kaum war er auf den Beinen, schüttelte sich die Ratte und wandte sich erneut ihrem Opfer zu. Lu wich einige Schritte zurück, doch die Ratte folgte ihm und beobachtete ihn lauernd. Dann plötzlich, hörte er hinter sich ebenfalls ein Scharren, wie von kleinen krallen auf Gestein. Er drehte sich ein Stück zur Seite, so dass er die Ratte noch im Blick hatte, aber auch sah, was hinter ihm vor sich ging. Auf der Schiene erblickte er ein weiteres Ungetüm, das ihn mit seinen kleinen, schwarzen Augen beobachtete. Es war eine weitere riesige Ratte. Eines ihrer Ohren war eingerissen und quer durch das linke Auge verlief eine Narbe. Auch sie schien in Lauerstellung. Vorsichtig wich Lu erneut einige Schritte vor beiden Ratten zurück. Doch weit konnte er nun nicht mehr, ohne zu nah an die Stromschiene zu gelangen. Die Ratte rechts von ihm, welche ihn vom Bahnsteig gestoßen hatte, begann nun mit den Pfoten zu stampfen und machte einen Buckel, wobei sich ihre Haare sträubten. Lu hatte keine Ahnung von der Körpersprache einer Ratte, aber er war sich sicher, dass diese in den nächsten Sekunden einen neuen Angriff starten würde. Auch die Ratte links von ihm machte den Eindruck, als würde sie sich gleich auf ihn stürzen.
Dann ging alles ganz schnell. Beide preschten plötzlich, ohne weitere Vorahnung auf ihn los. Er sah sie auf sich zu rasen, schloss die Augen und rechnete damit, im nächsten Moment unter den Rattenleibern begraben zu werden. Doch stattdessen bekam er einen heftigen Stoß in den Rücken, er stürzte zu Boden und dann, nichts mehr. Keine Rattenleiber, die auf ihm landeten und ihre Zähne in seinen Körper stießen. Stattdessen Gekreische und dumpfe Schläge hinter ihm. Mühsam stemmte er sich hoch und blickte sich um. Die beiden Ratten kämpften. Aber nicht gegeneinander, zwischen ihnen stand ein Teddybär, oder etwas in der Art. In der einen Hand hielt er einen Stock, in der anderen etwas, das aussah wie ein Schwert aber ohne einen richtigen Griff. Mit beidem schlug er auf die Ratten ein. Doch kaum hatte er die eine Ratte mit dem Schwert an einer ihrer Vorderpfoten erwischt, kassierte er selbst einen Schlag auf den Kopf von der zweiten Ratte. Er wirbelte herum und ließ das Schwert auf sie niedersausen. Die Ratte gab ein erschrockenes Quieken von sich, zuckte zurück und begann sich die blutende Wunde zu lecken, die das Schwert hinterlassen hatte. Das gab ihm genug Zeit, sich wiederum der anderen Ratte zuzuwenden. Beide lieferten sich einen erbitterten Schlagabtausch, doch schließlich ließ auch sie von ihm ab. Beide Ratten saßen nun für einen Augenblick zögernd da, als wären sie unschlüssig, was zu tun wäre. Dann stoben sie in entgegengesetzter Richtung davon.



Diesen Monat dabei:

Ende nächsten Monats ist Halloween, das Fest der Masken, Geister und Vampire. Und natürlich der Kürbisköpfe. Da muss auf jeden Fall ein passender Schreibkick her. Ob euer Geschriebenes dann gruselig, passend zu Halloween wird, oder doch was ganz anderes, bleibt natürlich wie immer euch überlassen J

Das Thema für den 1.11.14 (Oder passender, den 31.10.14) lautet: Die Kürbismaus (wer es gerne gruseliger mag, kann auch eine Kürbisratte daraus machen :D )


Du willst mitmachen?
Wir suchen natürlich wie immer noch Leute, die gerne mitschreiben möchten. Wenn ihr Lust habt, an den Schreibkicks teil zu nehmen, schreibt einfach euren Text und postet ihn auf eurem Blog. Dann postet ihr den Link zu eurem Blog einfach in den Kommentaren zum Schreibkick. Ich verlinke euch dann unter meinem Text, so dass jeder den es interessiert auch weiß, dass ihr dabei seid.
Hier ist nochmal der ursprüngliche Post zum Schreibkick: http://sabi-writing-whatever.blogspot.co.at/2013/11/schreibkick-1.html

Kommentare:

  1. hallo du liebe!
    wow da hast du aber eine richtig gute geschichte geschrieben! freue mich schon auf den zweiten teil und somit auf das ende der geschichte. da fiebert man ja richtig mit dem kleinen lu mit und hofft, dass er doch wieder irgendwie zurück zu theo kommt.
    der kleine lu muss ja einiges mit machen, das wünscht man keinem teddy.

    das neue thema ist ja auch super :) wünsch dir viel spaß beim schreiben und allen anderen die mit machen auch.
    alles liebe schreibfee

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  2. Hey liebste Schreibfee,

    vielen Dank! Das Schreiben macht bei der Geschichte auch wirklich richtig Spaß! Freut mich natürlich, wenn dann Andere beim Lesen auch Spaß dran haben :-)

    alles liebe,
    Sabi

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